Tag

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Am Brunnen vor dem Thore
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt’ in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud’ und Leide
Zu ihm mich immer fort.

Ich mußt auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab’ ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst du deine Ruh’!

Die kalten Winde bliesen
Mir grad’ ins Angesicht,
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör’ ich’s rauschen:
Du fändest Ruhe dort!

[Wilhelm MüllerDer Lindenbaum, in Wanderlieder von Wilhelm Müller. Die Winterreise, in «Urania», V, 1823, pp. 207-222: 214-215. Ciclo musicato da Franz Schubert nel 1827. Qui una traduzione italiana. Qui una discografia selezionata.]

Da draußen vor dem Tore,
Da steht ein Lindenbaum,
Wo ich so süß geträumet
Der ersten Liebe Traum.

Da draußen vor dem Tore
In stiller Abendstund
Hab’ ich ihr oft geküsset
Die Stirne und den Mund.

Da draußen vor dem Tore,
Wo sie mich hinbestellt,
Schenkt’ ich ihr dies und jenes
Von meinem Taschengeld.

Da draußen vor dem Tore,
Beim stillen Mondenschein,
Da schenkt’ ich meiner Holden
Von Gold ein Ringelein.

Da draußen vor dem Tore,
Da schien der Mond so hell. –
Ich war ein junger Schüler,
Sie eine Nähmamsell.

[Wilhelm Busch, Liebesgeschichten des Jeremias Pechvogel. Erste Liebe – 1 (1860), in Fliegende Blätter und Münchner Bilderbogen 1859-1864, in Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, Standard, Hamburg 1959, vol. I, p. 42.]

W. Busch, Liebesgeschichten des Jeremias Pechvogel , in «Fliegende Blätter», XXXII, n. 757, 1860, pp. 5-6: 5.

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